some kind of peace

some kind of peace

„Ich wollte ein Album veröffentlichen, das mehr von Herzen kommen sollte“, erzählt Ólafur Arnalds Apple Music. „Es geht tatsächlich um mein eigenes Leben, um meine Beziehungen – und darum, sich besseren Zeiten zuzuwenden.“ Wenn „re:member“ aus dem Jahr 2018 seine ambitionierteste und nach außen hin kreativste Seite hervorkehrte, dann präsentiert sich der virtuose Komponist nun auf „some kind of peace“ deutlich persönlicher – angetrieben von den Umständen eines ungewöhnlichen Jahres. „Die Pandemie erinnert uns an die Bedeutung von Gemeinschaft, an unsere täglichen Rituale und unsere gegenseitige Verbundenheit“, sagt Arnalds. „Darum geht es mir hier.“ Wie auf vielen seiner vorherigen Alben schätzt Arnalds die Kooperationen mit Künstlerinnen und Künstlern, die seine Musik um neue Ideen und neue Strukturen erweitern. Darunter befinden sich die isländische Singer-Songwriterin JFDR, die Komponistin und Produzentin Josin sowie DJ und Produzent Bonobo, dessen hypnotische elektronische Klangwelt das Album eröffnet. „Es ist einfach, sich ständig zu wiederholen – und dann den Überblick übers große Ganze zu verlieren“, so Arnalds. „Die Zusammenarbeit mit anderen bietet die Möglichkeit, aus diesen Strukturen auszuscheren und neue Perspektiven zu gewinnen.“ Lass dich im Folgenden von Ólafur Arnalds Track für Track durch das umwerfende „some kind of peace“ führen.Loom„Im vergangenen Sommer waren der DJ und Producer Bonobo und ich zum Wandern im isländischen Gebirge und begaben uns dann ins Studio, einfach aus Spaß. Das hier ist einer der Tracks, die dabei herauskamen. Es ist lustig, ihn als Opener ausgewählt zu haben, da er im Gegensatz zum Großteil des Albums elektronisch ist. Doch er eignet sich insofern perfekt, als er von den Arbeiten der vergangenen Jahre wegführt und diesen neuen Horizont eröffnet. ‚Loom‘ beginnt mit einer starken elektronischen Note, dunkel und rhythmisch, aber zum Ende hin ebnet er den Weg zum Rest des Albums.“Woven Song„In ‚Woven Song‘ kommen neben einem Piano Stammesgesänge aus dem Amazonas vor. Dazu gibt es eine Verbindung, weil ich Freunde aus demselben Stamm habe. Meine Instrumente sollen immer sehr soft und ruhig sein, weil es sich für mich freier und besser anfühlt, sie musikalisch zu erkunden. Wenn es derart zurückgenommen ist, muss man das Mikrofon ganz nah heranrücken, so dass man die mechanischen Abläufe und das Knarzen hören kann – sogar das des Klavierhockers. Es ist ein wunderbarer Nebeneffekt. Als ich den Track fertiggestellt hatte, wusste ich genau, was dieses Album brauchte.“Spiral„In diesem Track gibt es eine Melodie, die sich in dreieinhalb Minuten stets wiederholt – zunächst auf der Geige, dann auf der Viola und schließlich auf dem Piano. Ursprünglich wurde er für eine US-amerikanische Fernsehserie geschrieben, war dann aber doch nicht so richtig dafür geeignet. Daher nahm ich ihn heraus und legte ihn beiseite, um ihn anderswo zu verwenden. Es war einer der letzten Songs fürs Album, weil er nicht bewusst dafür geschrieben worden war – entpuppte sich dann aber als fehlendes Puzzlestück. Das Piano am Ende wurde mit einem 120 Jahre alten Zylinder-Grammofon aufgenommen, um ihm einen alten, nostalgischen Sound zu verleihen.“Still / Sound„Das hier ist einer der elektronischeren Tracks des Albums. Und erneut gibt es einen Übergang zum dunkleren Part. Ich denke, es ist perfekt. Es ist einer der wichtigsten Tracks auf ‚some kind of peace‘, auch wenn mir bislang nicht klar ist, warum.“Back to the Sky„An ‚Back to the Sky‘ wirkte JFDR mit, eine isländische Musikerin, mit der ich schon seit langem zusammenarbeiten wollte. Sie ist perfekt für dieses Album, weil sie sich einem minimalistischen Songwriting verschrieben hat, sodass ihre Stimme einfach zu einem weiteren Instrument wird. Der Titel ist ein Bestandteil von JFDRs Lyrics, aber es ist interessant, dass ich nicht genau weiß, an was sie gedacht hat, als sie diese schrieb. Dabei passt es hervorragend aufs Album. In dem Track geht es teilweise um verpasste Beziehungen – Menschen, die sich an denselben Orten aufhalten, aber irgendwie nicht zueinanderfinden.“Zero„‚Zero‘ stellt einen weiteren Wendepunkt auf dem Album dar. Und wenn sich in ‚Still / Sound‘ und ‚Back to the Sky‘ nächtliche und düstere Stunden widerspiegeln, dann erfolgt mit ‚Zero‘ die Wende. Interessanterweise ist es, glaube ich, das erste Mal seit zehn Jahren, dass ich in einem Song eine Modulation verwendet habe – denn das ist etwas, das ich eigentlich hasse. Das Stück entwickelt sich von einer Molltonart zu einer völlig anderen Durtonart gegen Ende. An dieser Stelle kommen nach und nach Stimmen hinzu – sie klingen nahezu engelsgleich, wie ein Chor. Aber es handelt sich um sehr verzerrte, raue und abgenutzte Stimmen.“New Grass„Wie der Titel schon suggeriert, geht es in diesem Track um neue Wege und neues Terrain – etwas Hoffnungsvolles, Schönes und Interessantes. Glücklichere Zeiten. Der Titel hat einen Bezug zu Talk Talk, einer meiner Lieblingsbands. Sie haben diesen Song namens ‚New Grass‘ und so hatte es etwas von einer kleinen Hommage an die Band. Die Musik beinhaltet das größte Streicherarrangement unter diesen neuen Songs. Das Album kommt hinsichtlich dessen, was die Musiker spielen, größtenteils sehr reduziert rüber, aber dieser Track ist ein wenig lebendiger.“The Bottom Line„Die Lyrics von Josin zu diesem Song beruhen auf einem Gespräch, das wir hatten. Auf gewisse Weise stammen sie also von uns beiden. Wir entdeckten angesichts von Veränderungen, die wir zu jener Zeit durchmachten, viele Gemeinsamkeiten. Das Gleiche gilt für die Schwierigkeit, diese Momente zu überwinden und dann auf der anderen Seite zu erkennen, dass es auch eine wunderbare neue Perspektive eröffnet, der man sich vorher nicht bewusst war. Man muss nur den Gipfel des Berges erklimmen. In musikalischer Hinsicht habe ich versucht, Josins Lyrics zu entsprechen. Wenn sie beispielsweise ‚Open your eyes‘ sagt, setzen die Streicher ein und öffnen sich nahezu.“We Contain Multitudes„Normalerweise verbringe ich einige Zeit im Jahr in Indonesien, wo ich Freunde und ein zweites Leben habe. ‚We Contain Multitudes‘ ergab sich im Dschungel in der Holzhütte eines Freundes. Sein altes Keyboard befand sich auf der oberen Etage, und während er malte, spielte ich darauf – einfach zum Zeitvertreib. Der Titel würdigt das Gedicht ‚Song of Myself‘ von Walt Whitman, in dem es heißt: ‚I contain multitudes‘. Er erkennt, dass wir alle diese unterschiedlichen Persönlichkeiten in uns haben, je nachdem, wo wir uns befinden oder mit wem wir zusammen sind. Ich habe dort ein Leben, ich habe hier ein Leben – es kann anstrengend sein herauszufinden, wer ich bin.“Undone„Der Text, gesprochen von der verstorbenen Folksängerin Lhasa de Sela, ist eher hoffnungsvoll als traurig. Es geht darum, daran zu denken, dass wir bereit sind zu sterben, aber in Wirklichkeit werden wir neu geboren. Es ist eine Metapher für die Veränderungen und Auseinandersetzungen, die wir durchmachen. Häufig fühlt es sich so an, als würden sie nie enden – und in gewissem Sinne haben sie etwas vom Tod. Doch haben wir sie erst überwunden, gelangen wir auf die andere Seite und erkennen, dass wir einen neuen Blick aufs Leben gewonnen haben. Die Pianoklänge, die zu Beginn zu hören sind, ziehen sich durch den gesamten Song. Anfangs noch undeutlich mit beliebigem Rhythmus und ohne Tempo, fügen sie sich schrittweise entsprechend ein. Die abschließende Note hat etwas von einem letzten Atemzug.“

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